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Mittwoch, 17. Januar 2018

Blinde Vögel von Ursula Poznanski

Rowohlt Verlag / Wunderlich
In den letzten Wochen erwischte ich mich beim Lesen und auch außerhalb der Bücherwelt immer wieder dabei, dass ich in Gedanken bei ein paar Szenen aus dem Thriller "Fünf" von Ursula Poznanski war, den ich Ende des letzten Jahres las. Mir haben die Charaktere und die Geschichte, die auch neben dem spannenden Fall von Beatrice Kaspary und Florin Wenninger sehr ausgeprägt sind, sehr gefallen. In Fünf ging es unter anderem viel um Geocaching, meine ganze Rezension zum Buch findet ihr hier.
Für mich stand schon nach dem Lesen des ersten Teils fest, dass ich weiterlesen wollte und so dauerte es nicht lange, dass auch "Blinde Vögel", der zweite Teil der Reihe, bei mir einzog. Innerhalb ein paar Tagen habe ich es im Wechesl im Auto als Hörbuch gehört und abends im Bett und am Wochenende gelesen. Heute folgt meine Rezension.

Worum geht es?
Beatrice Kaspary und Florin Wenninger werden zu einem Tatort gerufen, an dem alles nach einem erweiterten Suizid aussieht. Bei den ersten Ermittlungen stoßen die beiden auf eine Facebook-Gruppe, die beide Opfer verbindet: Eine Gruppe, die den Namen "Lyrik lebt" trägt. Ansonsten schienen die beiden Opfer wenig gemeinsam, geschweige denn sich lang gekannt zu haben. Weitere Menschen sterben - Suizid oder hat jemand nachgeholfen? Beatrice macht sich kurzerhand unter einem Pseudonym in der Facebookgruppe auf die Suche nach der Wahrheit und dieser kommt sie näher, als anfangs gedacht.

Meine Meinung:
Mir gefällt der Schreibstil von Ursula Poznanski unglaublich gut, sodass ich auf jeden Fall weitere Bücher von ihr lesen möchte. Ich mag die Lebendigkeit der Figuren (Beatrice, Florin und insbesondere von Beatrices` Kindern Jakob und Mina) sehr. Wir haben mit diesem Buch erneut nicht nur zwei Menschen, die ihren Job machen und einen Fall lösen, sondern mit privaten Problemen und Gedanken zu kämpfen haben, ohne dass wir dabei die typische Überspitzung in solchen Fällen erleben. Die Geschichte beginnt sehr spannend und fesselte mich schnell, leider waren aber einige Stellen sehr langatmig und der Fokus lag mir fast zu sehr auf den Posts in der besagten Facebook-Gruppe und weniger auf den Opfern, über die man nur recht oberflächlich etwas erfährt. Je weiter sich der Fall der Auflösung näherte, desto spannender wurde es wieder und nahm eine Wendung, die ich als Leserin so nicht erwartete.

Ich muss auch gestehen, dass das seit langem mal wieder ein Buch war, das mir an einigen Stellen einen Schauer über den Rücken jagen konnte. Insgesamt hat es mir wirklich gut gefallen und ich vergebe 4 von 5 Sternen.
Titel: Blinde Vögel
Autor: Ursula Poznanski 
Seitenzahl: 480 Seiten
Genre: Thriller
Verlag: Wunderlich
Neupreis: 9,99€ als Taschenbuch, 16,99€ als Paperback
Erscheinungsdatum: 02.04.2013
Hier geht es zu einer Leseprobe mit 20 Seiten. 

Die folgenden Bücher sind übrigens die Nachfolgebände zu "Blinde Vögel" mit Beatrice Kaspary und Florin Wenninger:
  • „Stimmen“
  • „Schatten“

Dienstag, 9. Januar 2018

Unterleuten von Juli Zeh

Unterleuten. Ein kleines, ruhiges Dorf in Brandenburg mit ca. 250 Einwohnern. Hier ist die Zeit stehengeblieben. Dieser kleine Fleck samt seiner Bewohner wurde von der Globalisierung und Modernisierung verschont. Hier interessiert man sich nicht für das große Weltgeschehen. Man liest keine Zeitung, surft nicht im Internet und hat auch nichts mit der überregionalen Politik zu tun. Unterleuten kümmert sich nur um Unterleuten. 

Der perfekte Ort, um dem schnellen, hektischen Großstadtleben mit seinen Deadlines und dem ständigen Druck von außen zu entkommen. Um sich wieder auf die Natur zu besinnen und ganz bei sich zu sein. 
Das ist zumindest die Motivation der neuzugezogenen Familie Fließ. Jule Fließ-Weiland hat ihren ehemaligen Professor Gerhard Fließ geheiratet und ist mit der frischgeborenen Tochter Sophie nach Unterleuten gezogen. Dort arbeitet Gerhard nun im Vogelschutzbund von Unterleuten. Doch so idyllisch wie sie es sich wünschen ist ihr Leben dort nicht. Nebenan lebt Bodo Schaller. Seinerseits Automechaniker und Kleinkrimineller, der eine Autowerkstatt betreibt und beschlossen hat, Familie Fließ das Leben zur Hölle zu machen, indem er dauerhaft alte Autoreifen an der Grundstücksgrenze verbrennt. 

Und dann gibt es da natürlich noch die vielen anderen Bewohner Unterleutens. 
Linda Franzen ist mit ihrem Freund nach Unterleuten gezogen, um ihr Pferd Bergamotte zu sich zu holen und sich dort ihren eigenen Pferdehof aufzubauen. Dafür ist sie bereit alles zu tun. Im Gegensatz zu ihrem Freund Frederik ist sie knallhart. 

Nicht zu vergessen sind natürlich die alteingesessenen Dorfbewohner. Der alte Kron und Rudolf Gombrwoski, deren Feindschaft schon in Kindertagen während der Hochzeit der DDR begann und bis heute erbittert anhält. Dies hat unweigerlich auch große Auswirkungen auf ihre Töchter und deren Familien. 

Wirft man also einen Blick hinter die Fassaden des auf den ersten Blick so friedlich wirkenden Unterleuten, stellt man schnell fest wie sehr es überall brodelt und wie viele Konflikte alle Dorfbewohner mit sich rumtragen und miteinander ausfechten. 

Juli Zeh erzählt authentisch und fesselnd die Geschichte der Dorfbewohner aus deren jeweiliger Perspektive. Dabei wechseln die Kapitel immer zwischen den verschiedenen Einwohnern und man erhält jedes Mal Einblick in einen anderen Kopf, der mit seiner ganz eigenen Sichtweise das Geschehen in Unterleuten erlebt und wahrnimmt. 

Schnell erkennt man wie Missverständnisse bzw unterschiedliche Wahrnehmungen ein und derselben Situation Konflikte verschärfen und ins Rollen bringen können. Es ist hoch interessant zu in einem Kapitel die Gedanken und Absichten des einen Dorfbewohners zu lesen und ein paar Kapitel später zu erfahren wie es beim unbeliebten Nachbarn ankommt und was er sich für Beweggründe für das Verhalten des anderen zusammenspinnt.
Alles greift wie ein Zahnrad ins andere und führt immer wieder zu neuen Gerüchten und Problemen bis sich das Ganze in mehreren erschreckenden und erstaunlichen Ereignissen zuspitzt.

Obwohl dieses Buch für mich schon fast abschreckend dick erschien, war ich doch schnell in diesem Geflecht, das zwischen den verschiedenen Dorfbewohnern entsteht, gefangen. Plötzlich werden auf den ersten Blick belanglose Ereignisse und Handlungen interessant, weil sich aus ihnen wieder ganz andere ergeben.

In Juli Zehs Roman kann man viel über unsere Gesellschaft und die verschiedenen Typen Mensch, die es so gibt, erfahren und es für sich selbst reflektieren.
Wirklich gut geschrieben! Da macht es Spaß am Ball zu bleiben - auch wenn ich meist sonst nicht der Freund der dicken Schinken bin.

4,5 von 5 Sterne.

Wer während oder nach dem Lesen einen Dorfplan sehen und Informationen zu den einzelnen Charakteren und deren Verflechtungen miteinander erhalten möchte, kann diese schön gestaltete Dorfseite besuchen: http://www.unterleuten.de


Unterleuten war der erste Roman, den ich von Juli Zeh gelesen habe und er hat mich definitiv neugierig auf mehr Bücher dieser Autorin gemacht. Zu Weihnachten habe ich ihren neuen Roman Leere Herzen bekommen, der nun im Bücherregal wartet bis er an der Reihe ist.



Titel: Unterleuten
Autor: Juli Zeh
Seitenzahl: 640 Seiten
Genre: Roman
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Neupreis: 24,99€

Erscheinungsdatum: 08.03.2016

Hier geht es zu einer 40-seitigen Leseprobe.
Juli Zeh hat unter anderem auch geschrieben:
  • Corpus Delicti. Ein Prozess. (2009)
  • Nullzeit. (2012)
  • Leere Herzen. (2017) 
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Donnerstag, 4. Januar 2018

Ich bin nicht tot von Anne Frasier

Ich musste nicht lange überlegen, ob ich Anne Frasiers neuen Thriller "Ich bin nicht tot" lesen möchte. Schon viel hatte ich von der Autorin gehört, aber doch noch nichts von ihr gelesen.

Handlung: Detective Jude Fontaine gelingt nach drei Jahren Gefangenschaft in einem dunklen Kellerraum die Flucht. Für sie ist schnell klar: Sie will in ihrem alten Job arbeiten, was ihr gegen alle Bedenken ihrer Mitmenschen auch geschieht. Ihr neuer Partner Uriah Ashby ist besonders davon überzeugt, dass Jude nicht bereit ist, wieder zu arbeiten. Was wird der neue Fall von verschwundenen Teenagern mit ihr machen? Wird Jude dem allem standhalten oder an den Parallelen zu ihrem eigenen Fall zerbrechen?

Der Aufbau und Schreibstil des Buches hat mir sehr gut gefallen. Wir wechseln kapitelweise die Sicht (Jude Fontaine, Uriah Ashby und ein Mädchen, das von den eigenen Peinigungen berichtet) - ich habe die Figuren alle sehr gemocht! Jude, die durch ihre eigenen Erfahrungen für Außenstehende nicht immer logisch handelt, der Detective Uriah Ashby, der eigene Probleme hat und mit diesen versucht im Leben weiterhin zurechtzukommen und die Spannungen zwischen den beiden. Der Fall läuft nicht immer glatt, wird durch Judes Vergangenheit oftmals erschwert und scheint zunehmend mit ihrer Geschichte verwobener, als zu Anfang gedacht.

Ich kann das Buch jeder und jedem empfehlen, der/die gerne Thriller liest und mal eine andere Geschichte lesen möchte. Denn ich habe vorher nie eine Geschichte gelesen, in der ein Detective nach so einem Schicksalsschlag wieder versucht ins Leben zu finden. Wir begleiten Jude Fontaine durch ihre Gedankenwelt, beruflich und privat und werden Zeuge davon, wie der Fall zunehmend spannender wird.

Das Ende fand ich etwas hervorsehbar, aber das ganze Buch insgesamt hat mir sehr gut gefallen und ich wünsche mir sehr stark noch Nachfolgebände.

4,5 von 5 Sterne.

Titel: Ich bin nicht tot
Autor: Anne Frasier
Seitenzahl: 432 Seiten
Genre: Thriller
Verlag: Heyne Verlag
Neupreis: 9,99€

Erscheinungsdatum: 13.11.2017

Hier geht es zu einer 40-seitigen Leseprobe.
Anne Frasier hat auch noch ein paar andere Bücher gelesen, die ich mir mal genauer ansehen werde.
 

Freitag, 17. November 2017

Die Erfindung der Flügel von Sue Monk Kidd


Wir befinden uns im Jahre 1805 in Charleston. Sarah wird elf Jahre alt, als sie von ihren Eltern (Gutsbesitzern in den Südstaaten) ihre eigene Sklavin zum Geburtstag geschenkt bekommt. Schon schnell wird Sarah klar, dass sie mit der Lebensweise ihrer Familie nicht einverstanden ist. Bereits in jungen Jahren versucht sie sich gegen die Sklaverei zu wenden und behandelt "ihre" Sklavin, Hetty, anders, als es von ihr erwartet wird.  Sarah und Hetty träumen gleichermaßen von einem anderen Leben und davon auf ihre eigene Weise frei zu sein. In "Die Erfindung der Flügel" leben wir Schritt für Schritt das Leben von Sarah und Hetty mit, bekommen abwechselnd aus beiden Sichten erzählt, was zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ihren Leben passierte.

Meine Meinung: Ich bin schwer fasziniert von dem
Buch. Es hat mich unglaublich berührt und beeindruckt. Nicht nur, dass mir wieder einmal die Grausamkeit der Sklavenzeit bewusst wurde, sondern auch, dass die Grimké-Schwestern mir zuvor fast unbekannt waren und ich nun jeden Fakt in mir aufsauge. Die Autorin schafft es, uns als LeserInnen ganz klar zu machen, wie schwer es damals war, als Frau Veränderungen zu erreichen, welchen Schwierigkeiten sie ausgesetzt waren und doch, dass es sich zu kämpfen lohnt. Sogar sehr. Ganz besonders gefallen mir auch die Anmerkungen der Autorin am Ende des Buches, was aus der Geschichte wahr und was erfrunden ist. Obwohl das Buch unglaublich viele Jahre abdeckt, verliert man nie den Überblick und auch die Spannung riss beim Lesen nicht ab. Ich wollte ziemlich schnell wissen, wie es weitergeht und las das Buch innerhalb weniger Abende durch. Der Schreibstil ist super und das Buch ist so interessant, dass ich mich jetzt noch viel mehr mit dem Thema beschäftigen mag. Ich denke, dass das Buch für alle interessant ist, die sich für die Schwierigkeiten der verschiedenen Menschen (Konflikte: Schwarz/Weiß, Männer/Frauen) insbesondere in den Südstaaten der USA interessieren; für LeserInnen, die zum Beispiel auch "Gute Geister" von Kathryn Stockett sehr gemocht haben.
 



Titel: Die Erfindung der Flügel

Autor: Sue Monk Kidd
Seitenzahl: 496 Seiten
Genre: Roman
Verlag: btb Verlag
Neupreis: 9,99€

Erscheinungsdatum: 13.03.2017

Hier geht es zu einer 42-seitigen Leseprobe.

Freitag, 10. November 2017

Rush of love - Verführt von Abbi Glines

© Piper Verlag
Schon vor einigen Jahren ist mir „Rush of love“ immer wieder begegnet. Zahlreiche BookTuber berichteten begeistert von der tollen neuen Reihe von Abbi Glines. Auch auf verschiedenen Plattformen haben die Bewertungen sehr gut abgeschnitten, sodass ich bei meiner letzten Rebuy-Bestellung den ersten Teil der Trilogie mal mitbestellte. Mein erstes Buch aus dem in der Buchblogger- und BookTuberszene sehr beliebten Genre „New Adult“ sollte also „Rush of love“ sein und das hier ist meine Rezension zum ersten Teil der Reihe.  

Kurz zur Handlung: 
Die junge Blaire hat gerade ihre Mutter an Krebs verloren und macht sich mittellos auf den Weg zu ihrem Vater, der sie nachdem er sie vor fünf Jahren verlassen hat, zu sich und seiner neuen Familie eingeladen hat. Allerdings ist bei ihrer Ankunft am Haus der neuen Familie ihres Vaters nur ihr Stiefbruder Rush Zuhause, der sie widerwillig bei sich aufnimmt und Blaire anbietet, eine Weile dort zu wohnen, bis sie einen Job gefunden und genug Geld für eine Wohnung verdient hat. Im Laufe der Geschichte macht ihr Rush immer wieder klar, dass es besser wäre, sich von ihm fernzuhalten. Zunehmend stellt sich raus, dass Rush „nichts anbrennen“ lässt und als Blaire ihn mit einer Frau beim Sex beobachtet, wird ihr Interesse selbst geweckt. Ob Rush auch eine weiche Seite hat? Und was hat Rushs Schwester Nan gegen Blaire? Geheimnisse liegen in der Luft und viel mehr..

Meine Meinung zum Buch: 
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Wie wäre es an dem Punkt, an dem ich nicht mehr wusste, ob ich lachen oder weinen sollte, weil dieses Buch so viele gute Bewertungen erhalten hat? Ich habe mich auch im Nachgang des Lesens noch einmal durch die Bewertungen gelesen, wo LeserInnen tatsächlich schreiben, sie hätten selten ein so emotionales und auch prickelndes Buch gelesen. Spätestens da habe ich mich gefragt, ob die ein anderes Buch gelesen habe, als ich? Ein paar wenige kritische Stimmen mischen sich dazwischen, aber vielmehr liest man Lobeshymnen. 

In diesem Buch findet man vor allem eins: Lächerliche Beschreibungen von Erotik: „Locker bleiben Baby, du wirst wund sein.“ (S. 173), „Mir, das gehört mir. [..] Mir. Diese süße Pussy gehört mir.“ (S.197),  „Fuck, bin ich tief drin.“ (S.198). Ich könnte jetzt lange so weitermachen.. 
Die beschriebenen Szenen entsprechen meiner Meinung nach absolut nicht der Realität der weiblichen Lustempfindung. Ich habe zwischenzeitlich sogar gedacht, ob die Autorin vielleicht ein junges Mädchen ohne viel Erfahrung ist. Das hätte das vielleicht noch erklären können. Bin ich die einzige, die nicht das Gefühl hat „ins All geschossen zu werden“, wenn sie einen Orgasmus hat?

Wir lernen in „Rush of love“, dass es ohne Konsequenzen ist, wenn man nicht verhütet. 
„Kein Kondom heute Nacht. Ich zieh ihn raus Ich muss dich ganz spüren!“ (S.197) Mensch, das hab ich das letzte Mal bei "Teeniemütter" auf RTL2 gehört - und was tut unsere Protagonistin? Nichts. Und was ist die Konsequenz aus dieser Handlung? Nichts. Ich stelle mir also ein pubertierendes Mädchen vor, das dieses „großartige“ Buch liest und dabei suggeriert bekommt, dass es das normalste der Welt ist, obwohl wir doch zwanzig Seiten zuvor lasen, dass Rush zwar regelmäßig Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten etc. macht, aber Blaire nicht verhütet, da es vorher „nie einen Grund dazu gab“ (S. 176). Mensch! 

Was wir ebenfalls „lernen“, ist, dass man Probleme am besten mit Sex oder Waffengewalt löst. Denn statt zu reden, wird „gebumst“ und wenn es Probleme gibt, fuchtelt irgendjemand vor irgendjemandes Gesicht mit einer Waffe herum. Alles völlig normal! 
Außerdem lernen wir hier, dass niemand etwas dafür kann, wenn er oder sie fremdgehen, weil es Menschen wie Blaire und ihre Mutter gibt, denen man einfach nicht widerstehen kann. Fragt Blaires Vater! Was für ein Frauenbild wird hier vermittelt? 

Die Charaktere im Buch sind dermaßen flach und ohne jegliches Interessante. Rush ist ein Drauf-gänger, der ohne Vorbereitung plötzlich dermaßen schleimig spricht, dass es beim Lesen unangenehm war. Ich zuckte zusammen, wenn ich nicht gerade lachte und las das Buch ab Seite 180 meiner Liebsten und einer engen Freundin vor, die sich ebenfalls mit mir über das Buch ausließen. 
Blaire ist sprunghaft und manipulierbar, fast schon nervig. Ich konnte den Charakteren  nach etwa 100 Seiten absolut nichts (!) mehr abgewinnen, obwohl die Grundidee der Geschichte (Blaire verliert ihre Mutter, ist tough und hat viel erlebt, reist allein durchs Land auf der Suche nach dem letzten Stück Familie, das sie noch hat ...) viel mehr Potential hatte - leider wurde das aber absolut nicht so umgesetzt, wie ich es mir gewünscht hätte. 

Bei dem Gedanken, dass junge Menschen so etwas lesen und glauben, dass so das „reale (Sex-) Leben“ abspielt, stellen sich mir einfach die Nackenhaare auf und ich hoffe einfach nur, dass sie das Gelesene kritisch reflektieren. Ich habe ab ca. 170 Seiten einfach nur noch den Kopf geschüttelt, sodass ich am Ende froh war, dass das Buch zuende war. Ob ich die Folgeteile lesen werde, könnt ihr euch denken. Es gibt sicher gute New Adulut- Bücher, es gibt auch gute Erotikbücher, aber das hier ist einfach nicht gut. Hier eine absolut klare Nicht-Empfehlung! 

Vielleicht hat jemand von euch eine andere Meinung? Lasst es mich gerne mal wissen. Das war wirklich das erste Mal seit langer Zeit, dass ich mit meiner Meinung den vorab gelesenen Bewertungen absolut entgegenstehe. Schade. 
Lieber Gruß, eure Lisa
Titel: Rush of Love - Verführt 
Autor: Abbi Glines
Seitenzahl: 240 Seiten
Genre: Jugendbuch - New adult 
Verlag: Piper Taschenbuch
Neupreis: 8,99€
Erscheinungsdatum: 14.05.2013
Hier geht es weiter unten auf der Seite zu einer Leseprobe.

Montag, 6. November 2017

Fünf von Ursula Poznanski

Spätestens seit ich in diesem Frühjahr "Anonym" von Ursula Poznanski und Arno Strobel las und damit schon wusste, dass ich die Reihe um Daniel Buchholz lieben würde, war für mich klar, dass ich noch mehr von der Autorin lesen wollte, nein musste. Mir wurde in den vergangenen Jahren schon so oft die Reihe um Beatrice Kaspary und Florin Wenninger empfohlen, dass ich mir bei meiner letzten Rebuy-Bestellung das erste Buch der Reihe bestellt. So stand also "Fünf" bei mir im Regal und irgendwann hatte ich Lust drauf und begann es. Ein paar Tage später lieh ich mir dazugehöriges Hörbuch aus der Bibliothek und so wechselte ich zwischen Hörbuch während des Pendelns (jeden Tag eine halbe Stunde pro Strecke) und abendlichem Lesen. Nun habe ich das Buch beendet und es hat mir wirklich sehr gut gefallen. 
Bildquelle: © Rowohlt Wunderlich

Worum geht es? 
Auf einer Kuhweide in Salzburg wird eine Frauenleiche gefunden. Unter ihren Füßen befinden sich ein-tätowierte Zahlen, die sich als Koordinaten herausstellen. Die Landeskriminalbeamten Beatrice Kaspary und Florin Wenninger übernehmen den Fall und vernehmen einige Zeugen, von denen einige nach dem Verhör ermordet werden. Schnell wird klar, dass das Phänomen "Geocaching", quasi eine Schatzsuche mit einem GPS-Gerät unter Eingabe von Koordinaten, eine bedeutende Rolle in dem Fall spielt. 

Meine Meinung zum Buch
Während ich zu Anfang an ein paar Stellen „Oh, schon wieder so eine Geschichte: Kommissarin löst schweren Fall und hat private Probleme“ dachte, habe ich die Charaktere von Seite zu Seite lieber gewonnen und festgestellt, dass es hier doch etwas anders läuft. Nicht nur, dass ich den Fall sehr spannend fand und besonders beim Lösen der Rätsel sehr mitfieberte, interessiert es mich jetzt auch umso mehr, wie die Privatgeschichte von Bea weitergeht. Insgesamt war der Fall sehr spannend, ich habe erst sehr spät den richtigen Riecher gehabt, was der Hintergrund des Falls sein könnte und das Buch sehr gerne und schnell lesen können. Wieso also nicht mal ein Buch lesen, das schon ein paar Jahre länger auf dem Markt ist und damit eine neue Reihe entdecken, die mich nun in schon drei weiteren Büchern begleitet? 
Insgesamt  gebe ich für das Buch 5 von 5 Sterne.

An dieser Stelle möchte ich auch eine große Empfehlung für das Hörbuch, das von Nicole Engeln gelesen wird. Was die mit ihrer Stimme anstellt ist super. Unglaublich, dass das nur eine Frau liest. Achtet besonders mal auf die Stellen, in denen Beas Kinder vorkommen, richtig super! 

Titel: Fünf
Autor: Ursula Poznanski 
Seitenzahl: 384 Seiten
Genre: Thriller
Verlag: Wunderlich
Neupreis: 9,99€

Erscheinungsdatum: 16.02.2012
Hier geht es zu einer Leseprobe mit 24 Seiten. 

Die folgenden Bücher sind übrigens die Nachfolgebände zu "Fünf" mit Beatrice Kaspary und Florin Wenninger:
  • „Blinde Vögel“
  • „Stimmen“
  • „Schatten“
Habt ihr schon Bücher der Reihe oder andere von Ursula Poznanski gelesen? Habt ihr Empfehlungen? Alles Liebe, eure Lisa

Dienstag, 31. Oktober 2017

The Hate U Give von Angie Thomas

Starr Carter ist 16 Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Familie in einer sozialschwachen Siedlung, in der Armut und Drogen zum Alltag gehören und Gangs das Sagen haben. Fast alle Bewohner dieses Viertels sind schwarz so wie Starr. Von klein auf lernt sie, dass schwarze Menschen immer noch nicht genauso behandelt werden wie weiße. Schon als junges Mädchen lernt sie die wichtigsten Verhaltensregeln bei einer Polizeikontrolle und wie man sich selbst verteidigt. Gleichzeitig besuchen sie und ihre Brüder eine Privatschule, auf der sie zu wenigen schwarzen Kids zwischen den überwiegend weißen Kindern aus reichem Hause gehören. Starr spielt hier im Basketballteam, hat eine Clique, gilt als cool und hat einen festen (weißen) Freund. Zwischen diesen beiden, sehr unterschiedlichen Welten balanciert Starr tagtäglich und versucht tunlichst zu verhindern, dass die beiden aufeinander prallen oder jemand aus der einen Welt die Starr aus der anderen Welt zu Gesicht bekommt. Nachdem sie jedoch dabei ist wie ihr Kindheitsfreund Khalil bei einer Polizeikontrolle nachts auf dem Heimweg grundlos von einem Polizisten erschossen wird und die meisten Stimmen in den Medien nur hervorheben, dass Khalil mit Drogen gedealt und im Grunde dadurch selbst Schuld an seinem Tod ist, muss Starr sich entscheiden, ob sie ihre Stimme für Khalil und die schwarze Gesellschaft erhebt, was unweigerlich dazu führen wird, dass die beiden Welten, in denen sie lebt, doch aufeinander treffen werden. 

Das Buch vermittelt sehr eindrücklich, dass auch heutzutage immer noch keine Gleichberechtigung zwischen Menschen mit schwarzer und weißer Hautfarbe herrscht und mit welchen Aussagen und Problemen afroamerikanische Menschen immer noch zu kämpfen haben. 
Es geht um Rassismus, um gesellschaftliche Probleme und um Mut. Und dabei ist Starr gleichzeitig auch einfach nur eine ganz normale 16-jährige Jugendliche, deren Gedanken sich um ihre Beziehung, ihre Freundinnen und ihre Clique dreht. 
Ich gebe dem Buch 5 von 5 Sternen und wünschte, ich hätte dieses Buch früher in der Schule im Englischunterricht lesen können (bei uns in der Oberstufe nannte sich das Thema "The African-American Experience" und ich finde dieses Buch würde sich sehr gut als Abschluss dieses Halbjahresthemas eignen). 
Der Titel "The Hate U Give" bezieht sich übrigens auf das durch Tupac bekanntgemachte Akronym Thug Life = The Hate U Give Little Infants Fucks Everybody. Die Bedeutung davon wird im Buch genau erklärt und auch so fließen nebenbei immer wieder Fakten der Gleichberechtigungsbewegung ein, was das Buch sehr tauglich für den Englischunterricht macht. 
Definitiv eine Empfehlung wert!
Das Einzige, was mich gestört hat, was aber an der Übersetzung liegt und deswegen keinen Abzug gibt, dass das Wort "boyfriend" nicht übersetzt wurde. Und wahrscheinlich bin ich einfach zu alt, um dieses Wort in meinem alltäglichen Sprachgebrauch zu benutzen.
Titel: The Hate U Give
Autor: Angie Thomas 
Seitenzahl: 512 Seiten
Genre: Jugendbuch
Verlag: cbt
Neupreis: 17,99€

Erscheinungsdatum: 24. Juli 2017 
Hier geht es zu einer Leseprobe.