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Freitag, 10. November 2017

Rush of love - Verführt von Abbi Glines

© Piper Verlag
Schon vor einigen Jahren ist mir „Rush of love“ immer wieder begegnet. Zahlreiche BookTuber berichteten begeistert von der tollen neuen Reihe von Abbi Glines. Auch auf verschiedenen Plattformen haben die Bewertungen sehr gut abgeschnitten, sodass ich bei meiner letzten Rebuy-Bestellung den ersten Teil der Trilogie mal mitbestellte. Mein erstes Buch aus dem in der Buchblogger- und BookTuberszene sehr beliebten Genre „New Adult“ sollte also „Rush of love“ sein und das hier ist meine Rezension zum ersten Teil der Reihe.  

Kurz zur Handlung: 
Die junge Blaire hat gerade ihre Mutter an Krebs verloren und macht sich mittellos auf den Weg zu ihrem Vater, der sie nachdem er sie vor fünf Jahren verlassen hat, zu sich und seiner neuen Familie eingeladen hat. Allerdings ist bei ihrer Ankunft am Haus der neuen Familie ihres Vaters nur ihr Stiefbruder Rush Zuhause, der sie widerwillig bei sich aufnimmt und Blaire anbietet, eine Weile dort zu wohnen, bis sie einen Job gefunden und genug Geld für eine Wohnung verdient hat. Im Laufe der Geschichte macht ihr Rush immer wieder klar, dass es besser wäre, sich von ihm fernzuhalten. Zunehmend stellt sich raus, dass Rush „nichts anbrennen“ lässt und als Blaire ihn mit einer Frau beim Sex beobachtet, wird ihr Interesse selbst geweckt. Ob Rush auch eine weiche Seite hat? Und was hat Rushs Schwester Nan gegen Blaire? Geheimnisse liegen in der Luft und viel mehr..

Meine Meinung zum Buch: 
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Wie wäre es an dem Punkt, an dem ich nicht mehr wusste, ob ich lachen oder weinen sollte, weil dieses Buch so viele gute Bewertungen erhalten hat? Ich habe mich auch im Nachgang des Lesens noch einmal durch die Bewertungen gelesen, wo LeserInnen tatsächlich schreiben, sie hätten selten ein so emotionales und auch prickelndes Buch gelesen. Spätestens da habe ich mich gefragt, ob die ein anderes Buch gelesen habe, als ich? Ein paar wenige kritische Stimmen mischen sich dazwischen, aber vielmehr liest man Lobeshymnen. 

In diesem Buch findet man vor allem eins: Lächerliche Beschreibungen von Erotik: „Locker bleiben Baby, du wirst wund sein.“ (S. 173), „Mir, das gehört mir. [..] Mir. Diese süße Pussy gehört mir.“ (S.197),  „Fuck, bin ich tief drin.“ (S.198). Ich könnte jetzt lange so weitermachen.. 
Die beschriebenen Szenen entsprechen meiner Meinung nach absolut nicht der Realität der weiblichen Lustempfindung. Ich habe zwischenzeitlich sogar gedacht, ob die Autorin vielleicht ein junges Mädchen ohne viel Erfahrung ist. Das hätte das vielleicht noch erklären können. Bin ich die einzige, die nicht das Gefühl hat „ins All geschossen zu werden“, wenn sie einen Orgasmus hat?

Wir lernen in „Rush of love“, dass es ohne Konsequenzen ist, wenn man nicht verhütet. 
„Kein Kondom heute Nacht. Ich zieh ihn raus Ich muss dich ganz spüren!“ (S.197) Mensch, das hab ich das letzte Mal bei "Teeniemütter" auf RTL2 gehört - und was tut unsere Protagonistin? Nichts. Und was ist die Konsequenz aus dieser Handlung? Nichts. Ich stelle mir also ein pubertierendes Mädchen vor, das dieses „großartige“ Buch liest und dabei suggeriert bekommt, dass es das normalste der Welt ist, obwohl wir doch zwanzig Seiten zuvor lasen, dass Rush zwar regelmäßig Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten etc. macht, aber Blaire nicht verhütet, da es vorher „nie einen Grund dazu gab“ (S. 176). Mensch! 

Was wir ebenfalls „lernen“, ist, dass man Probleme am besten mit Sex oder Waffengewalt löst. Denn statt zu reden, wird „gebumst“ und wenn es Probleme gibt, fuchtelt irgendjemand vor irgendjemandes Gesicht mit einer Waffe herum. Alles völlig normal! 
Außerdem lernen wir hier, dass niemand etwas dafür kann, wenn er oder sie fremdgehen, weil es Menschen wie Blaire und ihre Mutter gibt, denen man einfach nicht widerstehen kann. Fragt Blaires Vater! Was für ein Frauenbild wird hier vermittelt? 

Die Charaktere im Buch sind dermaßen flach und ohne jegliches Interessante. Rush ist ein Drauf-gänger, der ohne Vorbereitung plötzlich dermaßen schleimig spricht, dass es beim Lesen unangenehm war. Ich zuckte zusammen, wenn ich nicht gerade lachte und las das Buch ab Seite 180 meiner Liebsten und einer engen Freundin vor, die sich ebenfalls mit mir über das Buch ausließen. 
Blaire ist sprunghaft und manipulierbar, fast schon nervig. Ich konnte den Charakteren  nach etwa 100 Seiten absolut nichts (!) mehr abgewinnen, obwohl die Grundidee der Geschichte (Blaire verliert ihre Mutter, ist tough und hat viel erlebt, reist allein durchs Land auf der Suche nach dem letzten Stück Familie, das sie noch hat ...) viel mehr Potential hatte - leider wurde das aber absolut nicht so umgesetzt, wie ich es mir gewünscht hätte. 

Bei dem Gedanken, dass junge Menschen so etwas lesen und glauben, dass so das „reale (Sex-) Leben“ abspielt, stellen sich mir einfach die Nackenhaare auf und ich hoffe einfach nur, dass sie das Gelesene kritisch reflektieren. Ich habe ab ca. 170 Seiten einfach nur noch den Kopf geschüttelt, sodass ich am Ende froh war, dass das Buch zuende war. Ob ich die Folgeteile lesen werde, könnt ihr euch denken. Es gibt sicher gute New Adulut- Bücher, es gibt auch gute Erotikbücher, aber das hier ist einfach nicht gut. Hier eine absolut klare Nicht-Empfehlung! 

Vielleicht hat jemand von euch eine andere Meinung? Lasst es mich gerne mal wissen. Das war wirklich das erste Mal seit langer Zeit, dass ich mit meiner Meinung den vorab gelesenen Bewertungen absolut entgegenstehe. Schade. 
Lieber Gruß, eure Lisa
Titel: Rush of Love - Verführt 
Autor: Abbi Glines
Seitenzahl: 240 Seiten
Genre: Jugendbuch - New adult 
Verlag: Piper Taschenbuch
Neupreis: 8,99€
Erscheinungsdatum: 14.05.2013
Hier geht es weiter unten auf der Seite zu einer Leseprobe.

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